Das ERP wird zur digitalen Plattform

Aktuell wachsen industrielle Produktion und digitale Produkte und Dienstleistungen mehr und mehr zusammen. Geschuldet ist dies der digitalen Transformation. Das Angebot sowie die Nachfrage der verschiedensten Akteure gilt es mit der Hilfe digitaler Technologien zu verbinden. Interaktionen werden so vereinfacht. Intermediäre Vermittler oder digitale Plattformen sind dafür aber notwendig. Diese Plattformen dienen als zentrale Schnittstellen. Sie verändern bestehenden Kunden-Anbieter-Konstellationen und ermöglichen neue Geschäftsmodelle. Digitale Plattformen zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:

  • Netzwerkeffekte
  • Die Fähigkeit zur Interaktion
  • Sie sind intermediär
  • Bereitstellung einer digitalen Infrastruktur

Digitale Plattformen entstehen überall in praktisch allen Märkten und Branchen. Im B2C-Bereich (Business-to-Customer) sind etwa Apple oder Amazon bekannte und mächtige Beispiele. Aber auch im B2B-Umfeld (Business-to-Business) verändern sich bestehende Strukturen und -mechanismen hin zu einer Plattform-Ökonomie. Es gibt aber im B2B noch keine klar erkennbaren Marktführer. Doch es gibt gewisse Tendenzen wie etwa die IoT-Plattform (Internet of Things) von Bosch Software oder die Plattformen der ERP-Anbieter (Enterprise Ressource Planning) wie Microsoft und SAP.

Was bedeutet Plattform-Ökonomie?

Nun, Plattformen unterliegen einem starken Netzwerk-Effekt. Je mehr Teilnehmer es gibt, umso grösser ist der Nutzen für jeden Einzelnen. Die Betreiber setzen auf den Skaleneffekt, da die eigene Kernkompetenz über die digitale Plattform mehrfach verwendet wird. Dann spielt der Markt. Eine etablierte Plattform besitzt oft eine Monopolstellung. Aber: Erfolg ruft auch schnell Nachahmer an. Allerdings müssen diese Nachahmer hohe Eintrittsbarrieren wie Kapital oder Technologie-Know-how überwinden. Es kann aber gelingen einen Monopolisten vom Tron zu stossen. So hat z.B. Google mit Android eindrucksvoll die Marktführerschaft von Apple errungen. Allerdings, es kann auch schief gehen, wie wir am Beispiel von Microsoft erlebt haben. Grundsätzlich gibt es für Plattformen nur eine Messzahl für den Erfolg, die Zahl der Endnutzern, die ihre Produkte und Dienstleistungen darüber beziehen. Je mehr Nutzer, umso mehr profitiert auch der Plattformbetreiber. Dasselbe gilt dann für dessen Ökosystem. Entwickeln viele Programmierer Apps für eine bestimmte Plattform, steigt der Innovationsdruck untereinander. Davon profitieren die Endnutzer, aber natürlich auch die Entwickler einer gefragten App.

Getreu dem Motto der Plattform-Ökonomie senken digitale Plattformen die Bereitstellungs- und Transportkosten für die unterschiedlichen Akteure. Dabei helfen API’s und SDK’s (Application Programming Interface & Software Development Kit).  Die Entwickler können über eine Plattform ohne grosses Marketing-Budget viele potenzielle Kunden erreichen.

Was bedeuten Plattformen für ERP Anbieter?

So weit so klar? Warum sollten sich nun aber ERP-Anbieter intensiv mit digitalen Plattformen auseinandersetzen? Aktuell wird mehr und mehr an Business über Plattformen abgewickelt. ERP-Systeme benötigen darum einen «Connector», um eine Schnittstelle oder Anbindung an Plattformen zu ermöglichen. Diese «Plattformanbindung» kann künftig bei der Evaluation einer ERP Lösung von entscheidender Bedeutung sein. Einige Plattformen stellen schon heute ergänzende Angebote zu ERP-Software bereit, wie etwa KI-Lösungen, Business Intelligence oder Schnittstellen zu IoT-Geräten oder Versanddienstleistern. Diese Funktionen sollten / können / müssen in ERP-Lösungen eingebunden werden.

Diese Anbindungs- oder Integrationsmöglichkeiten spielen dann eine Rolle, wenn ein KMU die bestehende Lösung, z.B. um IoT-Komponenten erweitern will oder vor der Beschaffung einer neuen Lösung steht.

Aus was besteht eine Plattform?

Plattformen und deren Angebot im B2B-Segment bestehen in der Regel aus folgenden Diensten:

  • Software-as-a-Service, SaaS : Darunter verstehe ich Software-Anwendungen aus der Cloud. Diese Angebote reichen von stark fokussierten Apps (Zeiterfassung, Belegscanning…) über umfassende Lösungen für einzelne Fachbereiche (z.B. ERP-Suiten, Salesforce, Microsoft Dynamics 365).
  • Infrastruktur-Services (Infrastructure-as-a-Service, IaaS) : Infrastruktur Angebote aus der Cloud, um bestehende Applikation zu betreiben.
  • Plattform-Services (Platform-as-a-Service, PaaS) : Cloud-Dienste für die Entwicklung und den Betrieb von Webanwendungen.
  • Marktplatz: Zusammenführen von Angebot und Nachfrage möglichst vieler KMU oder Unternehmen (Ariba, Microsoft AppSource…).

ERP Anbieter im Wandel

Wir bei redPoint AG sind in diesem Spannungsfeld drin. Zum einen haben wir Bestandskunden auf Dynamics NAV und zum anderen drückt Microsoft die Dynamics 365 «Plattform» langsam, aber stetig in den Markt. In meinen Augen hat Microsoft, im Teil der Business Software, alles verstanden. Microsoft Dynamics 365 Business Central, die ERP Lösung für KMU, kann alleinstehend als vollwertiges ERP-System betrieben werde. Sieht man die Lösung aber als Enaber, oder als Plattform, so entfaltete diese das volle Potenzial. Die Integration von Microsoft Power BI, Teams und Microsoft 365 ist per se gegeben. Über Partner oder via AppSource lassen sich weitere Apps, Add-ons und Services zubuchen um die Lösung zum «Perfect-Fit» zu machen.

Diese unglaubliche Durchgängigkeit, dieses einzigartige Zusammenspiel von Office-Tools mit ERP-Funktionen, die Kommunikations- und Ausweitungsmöglichkeiten suchen ihresgleichen. Für mich ist dieses facettenreiche Zusammenspiel aller Betriebswirtschaftlichen- und Admin-Prozessen die Zukunft.

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