Alte Männer “verkaufen” Digitalisierung

Ich muss jetzt bewusst mal zynisch, sarkastisch und vielleicht auch ungerecht werden. Und um das Ganze noch was «fairer» zu machen, bei vielen der folgenden Gedanken inkludier ich sogar mich selbst, Jahrgang 1977.

Ich bewege mich selbst seit nun fast 20 Jahren im IT- und Business-Software-Umfeld. Trends kommen und gehen, News sind oft längst Bekanntes in neuer Verpackung und gerade die Business-Software-Branche strotzt nicht vor Innovation – wie soll sie auch? Sind es doch meist alte Männer, die den Takt angeben. Augenscheinlich war dieses Bild an der topsoft Fachmesse von vergangener Woche. Ich beziehe mich dabei nicht mal so sehr auf das Standpersonal, sondern auf die unzähligen Berater, welche durch die Gänge geschlichen sind. Durchwegs alte, erfahrene und in der Branche bekannte Männer.

Nicht missverstehen, daran ist noch nichts falsch. Und ich spreche auch nicht allen diesen Beratern die Fähigkeit ab, sich auf Neues einzulassen, die Kunden adäquat beraten zu können. Ich frage mich nur, ob die permanente Retroperspektive vieler dieser Berater nicht mehr Klumpfuss als Vorwärtsdenken ist.

Ganz ehrlich, wie soll mich eine Person in Fragen der Digitalisierung beraten, wenn die eigene Haltung und jede Handlung so gar nicht «digital» ist? Wie soll so jemand neue Trends erkennen, Lösungen, Prozesse, Schulungen etc vermitteln oder anreissen, – wenn immer nur zurückgeschaut wird. Ja, ich spreche diesen Beratern hier und jetzt diese Fähigkeit ab. Verheerend dabei ist, sie übertragen diese Nicht-Innovation auf ihre Kunden und das sind die KMU der Schweiz. Und veraltete Lösungen und Partner kommen dadurch zum Einsatz und verhindern die Innovation und den dadurch resultierenden Wettbewerbsvorteil der Unternehmen. Noch viel schlimmer – die Lösungen am Markt bleiben auf dem Stand xy «eingefroren» und entwickeln sich nicht mehr weiter.

Spannend dabei, dieses Phänomen der Nicht-Innovation zeigt sich auch bei jüngeren Semestern. Diese schon fast tragische Verweigerung von Neuerungen und Verbesserungen ist ein Zustand, der immer noch auftritt. Und damit laden wir beim eigentlichen Thema. Es geht nicht so sehr um Tools und Apps, – es geht vielmehr um Kultur und um die eigene Haltung. Ich war eigentlich der Meinung, dass die Corona-Pandemie die Unternehmen diesbezüglich aufgerüttelt hatte. Viele haben erkannt, dass es nicht nur um Tools und Software geht. Vielmehr sind Prozesse, Kommunikation und Ausbildung wichtig. Weiter ist die Befähigung ein wichtiges Stichwort. Tragisch ist hier, dass ein vermeintlich innovativer Wirtschaftskopf (Musk) nun bezüglich der Arbeitsform wieder in die Steinzeit verfällt. Viele vermeintliche Wirtschafts-Hobby-Kapitäne werden ihm blind folgen und die positive Veränderung aus den Pandemiejahren zunichtemachen.

Viel zu oft wird von innen nach aussen gedacht und die eigenen Prozesse und Tools werden so zu den Problemen für die möglichen und bestehenden Kunden. Warum wird nicht, wenn der Kunde schon König sein soll, von dort her gedacht und konzipiert? Wer sind meine Kunden/Innen? Welche Herausforderungen haben diese und wie kann ich sie mit meinen Produkten und Services adressieren? Wie und wo wollen die Kunden diese Produkte und Services konsumieren? Und dann konsequent von dort her die Prozesse glattziehen und die entsprechenden Tools unterlegen.

Bei all diesen Veränderungen, Anpassungen und kulturellen Transformationen entwickle auch ich ab und an eine Abwehrhaltung. Ich muss diese dann konsequent beiseitelegen, das neue Annehmen und für meinen Alltag adaptieren. Ich habe das Glück, bei einem Microsoft Partner für den Bereich der Business Softwarelösungen (ERP) zu arbeiten. Unser Hersteller, Microsoft, ist im Moment ein absoluter Innovationstreiber. MS Teams, Microsoft 365 und 365 Business Central sind da nur ein Teil. Microsoft Viva wird zusammen mit Teams zur Sales Plattform ausgebaut. Microsoft Sales wird zur Marketing- und Sales-Automation-Software und viele Neuerung um das Metaverse stehen an. Es ist, wird und bleibt spannend.

Mein Tipp – lassen sie sich ihre Innovationsträume nicht von irgendwelchen Beratern nur aufgrund deren vermeintlicher Erfahrung absprechen. Die Art und Weise der Softwareevaluation, die Projektmethodik, die Einführung, die Entwicklung, die Erweiterungen, der Betrieb, der effektive Einsatz und die Schulung haben sich komplett geändert. Erfahrung hilft dabei, – es ist aber nicht die einzige Komponente.

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Alte Männer “verkaufen” Digitalisierung
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Ein Gedanke zu „Alte Männer “verkaufen” Digitalisierung

  • 27. Juni 2022 um 17:56
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    Es ist wohl nicht nur so, dass “alte Männer” Digitalisierung verkaufen, sie entscheiden auch darüber.

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